Aus dem Buch zu Serie "Geniessen im Heilbronner Land" der Heilbronner Stimme November 2007

Uwe Ralf Heer, Jürgen Kümmerle

Quelle: Text und Bilder stimme.de

Krone, Bad Rappenau Bonfeld

Wahre Schätze findet man oft im Verborgenen. Das ist beim Gasthaus Krone im Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld nicht anders. Verheißt schon das historische Äußere des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäudes Außergewöhnliches, so staunt der Gast beim Betreten der Wirtsräume nicht schlecht: Die Restaurierung des Schmuckstücks ist so glänzend gelungen, dass nicht nur das Denkmalamt begeistert ist, sondern es für das Haus auch den bedeutenden baden-württembergischen Denkmalschutzpreis gab.
Alles begann im Jahr 2003. Nach dreijähriger Umbauzeit öffnete die Krone erstmals wieder die Pforten. Davor lag das Gasthaus drei Jahrzehnte lang im Dornröschenschlaf und war ziemlich heruntergekommen. „Diese Zeit war ein Glücksfall für uns, denn 30 Jahre lang wurde nichts dem Zeitgeist angepasst oder so renoviert, wie sich das die Brauereien wünschen. Das Alte war erhalten geblieben“, sagt Renate Brüggemann, die mit ihrem Mann Ludwig das Gebäude kaufte und nach den Plänen von Architekt Michael Hilbert komplett restaurieren ließ. Jetzt speisen die Gäste in einer Einrichtung, die an das Jahr 1900 erinnert. Und dennoch ein ganz besonderes Flair hat. Zuletzt wurde die Krone 1906 umgebaut und aufgestockt. Das Dorfwirtshaus mit Küche, Schankstube und einem mehr als 100 Quadratmeter großen Festsaal im Obergeschoss war bis etwa 1960 kultureller Mittelpunkt des Ortes. Schließlich spielte die Dorfwirtschaft in Bonfeld über zwei Jahrhunderte eine entscheidende Rolle. Am Haupteingang weist die Jahreszahl 1786 auf die Ursprünge der Krone hin. Jetzt, nach der aufwändigen Restaurierung, fühlt sich der Gast in diese Zeit zurückversetzt. „Das Denkmalamt wollte, dass wir das hier machen, weil wir zuvor schon die Zehntscheuer in Bonfeld restauriert haben“, sagt Renate Brüggemannn. Seit 20 Jahren lebt sie mit ihrem Mann Ludwig, der die weltweit tätige Brüggemann-Gruppe leitet, nun schon in dem Bad Rappenauer Ortsteil. Brüggemanns Heilbronner Unternehmen, dessen Ursprünge in das Jahr 1868 zurückgehen, hat einen festen Platz im globalen Chemiegeschäft. „Am Anfang war mein Mann von der Idee des Wirtshauses gar nicht begeistert“, erinnert sich Renate Brüggemann. Doch längst ist auch er angesteckt vom Fieber und genießt Atmosphäre und Speisen in dem historischen Haus. Dabei hat die Gaststube ihr überliefertes Aussehen behalten. Restaurierte Dielenböden bestimmen den Innenraum, in das Möblierungskonzept wurde die umlaufende Sitzbank integriert. Die in der Nachkriegszeit entstandenen Landschaftsbilder wecken zudem das Fernweh.

In der Krone hat die 66-Jährige Powerfrau viele französische Einflüsse eingebracht. Die in der Modebranche tätige Renate Brüggemann ließ sich vom Stil Pariser Bistros inspirieren, schließlich ist sie häufig an der Seine zu Gast. „Wir sind nicht vornehm, sondern ursprünglich. Ich mag kein Getue im Lokal“, sagt sie. Sowohl der Tresen als auch die Gläser stammen aus Frankreich, ebenso die Tische, das Besteck und die Teller. Sogar die Speisekarte wurde im Format wie in einem Pariser Bistro gestaltet – links stehen die Getränke, rechts, von der Chefin handgeschrieben, die angebotenen Speisen. „Meine Idee ist es, Mode und Essen zu verbinden. In Frankreich ist das lange schon so, da machen alle alte Modetanten jetzt Gastronomie. Und ich mach das ja hier auch“, sagt sie und lacht dabei herzerfrischend.
Dabei bietet die Krone nicht nur etwas fürs Auge. In kürzester Zeit machte man sich nach der Wiedereröffnung einen Namen, als Thomas Pfeffer hier ein Jahr lang als Küchenchef wirbelte und die Gäste verwöhnte. Nach seinem Abschied in Richtung Heilbronn tat sich Renate Brüggemann zunächst schwer, einen passenden Nachfolger zu finden. Den hat sie nun mit Cristian Spanu gefunden. Der 27-Jährige kocht köstlich, frisch und überrascht im Zusammenspiel mit Renate Brüggemann, die von ihren Auslandsreisen immer wieder neue kulinarische Ideen mitbringt, mit abwechslungsreichen Gourmet-Angeboten. „Es gibt Inspirationen aus aller Welt, und die versuchen wir dann hier umzusetzen“, sagt die Chefin. Dabei ist Frische kein bloßes Lippenbekenntnis. Von der eigenen Obstwiese vor dem Haus stammen ebenso Produkte wie aus dem großen Kräutergarten, der sich direkt hinter der Krone befindet.
Cristian Spanu kocht selbstverständlich alle Saucen selbst, bereitet die Zutaten und Speisen tagelang vor. Er ist oft ein Einzelkämpfer in der Küche, der auf seiner alle zwei bis drei Wochen wechselnden Karte köstliche Speisen anbietet. Da findet man dann beispielsweise bei den Vorspeisen einen gratinierten Ziegenkäse mit Honig und Thymian oder Gambas im gelierten Sud. Die Sauerampfersuppe aus dem hauseigenen Kräutergarten sollte man ebenso mal versuchen wie die Kürbiscremesuppe mit Kernen und Öl. Oder eine korsische, gerauchte Leber- und Blutwurst.
Leckere Hauptgerichte sind das geschmorte Hähnchen mit Zitronen und Oliven für 12,80 Euro oder ein Risotto mit Meeresfrüchten für 6,80 Euro. Ob Ochsenbrust mit Meerettichsauce und Bouillonkartoffel für 8,60 Euro, Pilzrisotto mit Salat oder Schweinelendchen in Johannisbeer-Sauce mit Bandnudeln und Salat für 12,80 Euro — alles schmeckt einfach köstlich. Zum Beispiel auch die Wildschweinkeule mit Serviettenknödeln. Die steht aber nur dann auf der Karte, wenn das Wild frisch geschossen wurde. Selbstredend gibt es französische Käsesorten und herrliche Desserts, wie eine Crème brulée oder die ofenfrische Apfeltarte. Und vor allem mundet die Mousse au Chocolat mit Kumquat-Kompott.
Interessant sind die kurzfristigen Angebote auf einer Tafel und vor allem die Schwabenkarte, die seit drei Jahren nicht verändert wurde und immer die regionalen Leckerbissen anbietet. Beispielsweise den Zwiebelrostbraten, sehr lecker gegrillt mit Spätzle und Salat für 14,50 Euro, oder das panierte Kotelett vom schwäbisch-hällischen Landschwein mit Bratkartoffeln und Salat für 11,60 Euro ebenso wie den Wurstsalat oder die geschmelzten Maultaschen. „Es reizt mich ganz einfach, alles frisch zuzubereiten. Und das mit Kräutern, von denen manche gar nicht wissen, wie die schmecken oder riechen“, sagt der Koch. Immer wieder mal was ausprobieren, so lautet sein Credo.

Und, dazu eine mediterrane Küche anbieten mit Speisen, die die Gäste nicht immer kennen. Aber nach dem Genuss umso mehr schätzen. „Qualität braucht ihre Zeit, das Essen kann nicht immer nach fünf Minuten auf dem Tisch stehen, sonst stimmt was nicht“, macht er klar. Dazu gibt es natürlich viele französische Weine, aber auch einen Fasswein vom ökologisch anbauenden Weingut Schiefer in Lauffen.
„Wir haben hier noch einiges vor“, sagt Renate Brüggemann. Der große Saal im Obergeschoss, der mit einem sehr aufwändigen Konservierungs- und Gestaltungskonzept restauriert wurde, dient dabei nicht nur für Feierlichkeiten. Was immer auch in diesem außerordentlich renovierten historischen Haus angeboten wird: Hier ist für Gaumen und Augen wirklich jede Menge geboten. Wer das entdeckt, wird nicht das letzte Mal im Bad Rappenauer Ortsteil Bonfeld gewesen sein.


Das Buch "Geniessen im Heilbronner Land" ist im Stimme-Shop käuflich zu erwerben


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